Aufstand der Jungen

Der Aufstand ist das Thema der Zeit. Über kaum ein anderen Begriff wird derzeit ein solch seltsamer Diskurs geführt, wie über den „Aufstand“. Ob im Wendland oder in Stuttgart, der Bürger hat sich zum „Wutbürger“ transformiert und probt den „Aufstand“. Und mit dem ZDF-Streifen „Aufstand der Jungen“¹ hat sich derselbe letztendlich in der Mitte der Gesellschaft eingezeckt. Es hat viel Überwindungswille gebraucht, um den den 90 minütigen Film von Anfang bis Ende auszuhalten. Das Doku-Drama spielt im Jahr 2030, der Sozialstaat ist vollkommen zusammengebrochen, wer seine/ihre Schuldenlast nicht mehr ertragen will/kann, flüchtet in die Illegalität, den s.g. „Höllenberg“ (ehemals Schöneberg). Dort hat sich eine Parallelgesellschaft entwickelt, die sich selbst verwaltet und die – bis auf gelegentlich das SEK – niemand betreten will. Gesellschaft ist eigentlich auch die falsche Bezeichnung für das, was da vom ZDF dargestellt wird. Eher ähnelt das einem Haufen Chaoten, die kein Bock mehr auf den Staat haben und es auf die s. g. „Bonzen“ abgesehen haben. Aber dennoch gibt es wohl auch unter diesen vernünftige Wesen: Unter der Anleitung des Arztes „Vincent Fischer“ ist das „Hoffnungstal“ entstanden; eine Art Staat im Staat, der die alltägliche Versorgung sicher stellt. Der ganze Film ist dann aber doch eher eine Mischung aus Galileo Mystery, RTL-(Nach-)mittagsprogramm und einem Hauch Verschwörungstheorie. „Aber bringt leider wenig mehr als Sarrazin reloaded: Deutschland schafft sich mal wieder ab, diesmal nicht per Kultur-, sondern im guten alten Klassenkampf.“² So fasst die TAZ das ganze eigentlich recht treffend zusammen. Die ganze Geschichte endet dann mit dem bedeutungsvollen Satz: „Die Geschichte zweier Kinder, einer Generation. Sie kann so verlaufen, doch sie muss nicht, wenn jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden.“¹ Damit trifft das ZDF wohl schon den derzeitigen gesellschaftlichen Konsens, der besagt, dass sich was ändern muss. Doch in welche Richtung? Diese Frage bleibt in Fiktion und Wirklichkeit unbeantwortet.

„Der kommende Aufstand“
Kommt mal ein halbwegs progressiver Vorschlag, wie ihn zuletzt von G. Lötzsch, in ihrem Text „Wege zum Kommunismus“ machte, der natürlich mehr Wahlwerbung als etwas anderes ist. Wird sofort das alte wie immer noch neue Schreckgespenst Kommunismus heraufbeschworen. Doch dieser ist ja nicht der einzige Text dieser Art, der derzeit für Diskussionsstoff sorgt. „Der kommende Aufstand“³ erhielt ein weitaus größeres Medienecho als Lötzsch’s Text.
Das erstaunliche dabei ist: z.B. die TAZ wirft dem Text „nicht gerade hohe Theorie“4 und andocken an rechtsradikale Zivilisationskritik vor, wobei „Der kommende Aufstand“ in den Feuilletons, der eher konservativen Blätter, auf eine den Verhältnissen entsprechend positive Resonanz stößt. Obwohl die Verfasser hier sogar noch ein paar Schritte weiter als Lötzsch gehen. Sie erteilen der parlamentarischen Politik eine klare Absage. Vielmehr fordern sie autonom zu werden, „was auch heißen könnte: lernen, auf der Straße zu kämpfen, leerstehende Häuser zu besetzen, nicht zu arbeiten, sich wie verrückt zu lieben und im Supermarkt zu klauen.“³

Aufstand
Der Aufstand muss also Alltag und selbst gemacht werden! Ob in der Schule oder Uni, im Job, oder mit Freunden, sollten wir über die bisherigen Handlungsweisen nachdenken und uns Fragen: „Will das wirklich Ich, wie Ich jetzt Handel?!“ Denn bei genauerem hinsehen sind das gar nicht wir die unsere Handlungen bestimmen, sondern Normen, die uns von außen aufgedrängt werden und uns zu Handlungen bringen, die wir eigentlich niemals so vollzogen hätten. Also lasst uns darüber nachdenken und unseren eigenen Weg in eine andere Gesellschaft finden/ wegwerfen und gehen.

1: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1227348/2030---Aufstand-der-Jungen
2: http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/deutsche-endzeitstimmung/
3: http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=38403
http://pdfcast.org/pdf/der-kommende-aufstand
4: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/ressort=tz&dig=2010/11/27/a0324&cHash=0260a2f2d2